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Artikelreihe

  1. Vitamin B12
  2. Vitamin B12 Bedarf
  3. Vitamin-B12-Mangel - Ursachen, Symptome, Behandlung
  4. Vitamin-B12-Nahrungsergänzung

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Vitamin-B12-Mangel - Ursachen, Symptome, Behandlung

Vitamin-B12-Mangel - Ursachen, Symptome, Behandlung
Inhaltsverzeichnis
  1. Risikogruppen
  2. Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel
  3. Symptome Vitamin-B12-Mangel
  4. Vitamin-B12-Mangel während der Schwangerschaft, bei Säuglingen und im Kindesalter
  5. Diagnose
  6. Therapie
  7. Vorbeugende Maßnahmen

In unserem Körper erfüllt Vitamin B12 äußerst wichtige Funktionen. Es ist unter anderem an der Bildung von roten Blutkörperchen, am Erhalt der kognitiven Funktionen, am Zellwachstum und der Zellteilung beteiligt. Wird der Bedarf von Vitamin B12 über einen längeren Zeitraum (bis zu drei Jahre) nicht gedeckt und sind die körpereigenen Reserven von 2 bis 3 mg aufgebraucht, kann es zu ersten Symptomen kommen. Wird ein Vitamin-B12-Mangel nicht behoben werden, kommt es zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden, die im Extremfall auch zu irreversiblen neurologischen Schäden führen 1. Daher ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung eines Mangels sehr wichtig.

Risikogruppen

Von einem Vitamin-B12-Mangel können Veganer genauso betroffen sein wie Vegetarier und Mischköstler 2. Darüber hinaus ist ein Mangel an Vitamin B12 gar ein weltweites Problem 3. So leiden 20% der erwachsenen Bevölkerung in Industrieländern unter einem Mangel 4.

Nichtsdestotrotz belegen zahlreiche Untersuchungen, dass vor allem Veganer und vegan lebende Kinder einen niedrigen Vitamin-B12-Status aufweisen 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15. Vor allem Veganer, die keine Nahrungsergänzungen nehmen, sind von einem Mangel betroffen 16.

Weitere Risikogruppen sind 17:

  • Schwangere
  • Stillende
  • Säuglinge
  • ältere Menschen (im Alter lässt die Absorption nach)
  • Patienten mit Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn und Kurzdarmsyndrom)
  • Menschen mit Magen- und Darmerkrankungen
  • Menschen, die Medikamente verwenden (H2-Rezeptorenblocker, Metformin, Protonenpumpeninhibitoren)
  • Alkoholiker

Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel

Ein Mangel entsteht in erster Linie, wenn die Absorption von Vitamin B12 im Dünndarm durch eine Störung der Darmschleimhaut bzw. des Magen-Darm-Trakts (wie Morbus Crohn, Gastritis oder Zöliakie) vorliegt 18 19. Für die Resorption von B12 wird ein Transporteiweiß (Intrinsischer Faktor, kurz IF) benötigt. Ist die Bildung bzw. die Ausschüttung des intrinsischen Faktors gestört (Perniziöse Anämie), kann das Vitamin zumindest über diese Route nicht mehr vom Körper aufgenommen werden 20. Die Aufnahmefähigkeit über den IF nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Bei Veganern kann ein Mangel entstehen, wenn über einen längeren Zeitraum keine mit Lebensmittel mit Vitamin B12 oder Vitamin-B12-Nahrungsergänzungsmittel konsumiert wurden. Denn Vitamin B12 wird von Bakterien gebildet und kommt in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vor. An Pilzen und Algen kann sich aber etwas bioverfügbares B12 befinden.

Chronischer Alkoholkonsum kann zu einer Aufnahme-Beeinträchtigung von B12 führen. Im Übrigen ist die Leber das wichtigste Speicherorgan von Vitamin B12. Leberschäden können sich so auch negativ auf die Vitamin-B12-Werte auswirken.

Symptome Vitamin-B12-Mangel

Folgende Symptome können sich unter anderem äußern 21 22 23 24 25 26:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Antriebsschwäche / Energielosigkeit
  • Trägheit
  • Schwindelgefühl
  • Blässe
  • Gelbfärbung der Augen
  • Rückbildungen an der Mund- und Zungenschleimhaut (Glossitis)
  • Aphthen
  • Risse in den Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden) durch Zellwachstumsstörungen
  • Hyperpigmentierung
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)
  • atopische Dermatitis
  • Nagelveränderungen
  • Leistungsschwäche
  • in seltenen Fällen sensorische Beeinträchtigungen der Hände und Füße

Wenn das zentrale Nervensystem betroffen ist, können verminderte motorische und sensitive Fähigkeiten die Folge sein. Denn ein Mangel an Vitamin B12 (5′-Desoxyadenosylcobalamin) kann auch zu einer Demyelinisierung peripherer Nerven, des Rückenmarks, sowie der Nerven im Gehirn führen, was wiederum Nervenschäden und neuropsychiatrische Auffälligkeiten zur Folge hat 27. Motorische Einschränkungen machen sich in Muskelschwächen (u.a. schlechte Bewegungskoordination), sensitive in Taubheitsgefühl / Lähmungserscheinungen, Zungenbrennen, Geruchs- und Geschmacksverlust sowie in Hand- und Fußkribbeln bemerkbar.

Bei einem längeren Vitamin-B12-Mangel können Schäden am Nervensystem auftreten 28 29 30 31 32 33:

  • Gedächtnisstörungen
  • Apathie
  • Halluzinationen
  • Orientierungslosigkeit
  • Migräne
  • Depressionen
  • Demenz
  • Alzheimer
  • Psychosen


Nach mehreren Jahren ohne Vitamin-B12-Aufnahme kann es zu irreversiblen Gehirnschäden kommen.

Die Symptome können durch einen Mangel an roten Blutkörperchen (Vitamin-B12-Mangel-Anämie / megaloblastäre Anämie auch makrozytären Anämie geannt) verursacht worden sein 34. Signifikant sind bei dieser Form der Anämie die sehr groß ausfallenden roten Blutkörperchen. Hinzu kommt, dass das innere der Blutkörperchen nicht vollständig entwickelt ist, wodurch das Knochenmark veranlasst wird, weniger Zellen zu produzieren 35. So kann es zu einer Degeneration des Rückenmarks und Panzytopenie (verminderte Blutzellenbildung) 36. Zudem wird weniger Sauerstoff über das Blut transportiert.

Ein Mangel von Vitamin B12 und Folat (Folsäure) kann sich negativ auf die Muskelfunktionen, vor allem bei älteren Menschen, auswirken 37 38. Dies hängt mit den Auswirkungen der beiden Vitamine auf Homocystein zusammen. Steht dem Körper nicht ausreichend Vitamin B12 zur Verfügung, kann Homocystein nicht ausreichend in die Aminosäure Methionin umgewandelt werden, wodurch die Homocystein-Werte Ansteigen. Höhere Werte stehen in Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen. Wissenschaftler kamen in Studien aus dem Jahr 2015 zu dem Ergebnis, dass das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen reduziert werden kann, wenn Vitamin B12 ergänzt wird 39. Weitere Studien aus 2015 assoziieren einen Vitamin-B12-Mangel zusammen mit einem Mangel an Folsäure und einem höheren Homocystein-Spiegel direkt mit Alzheimer 40 41.

Hinweis: Alle genannten Symptome können auch andere Ursachen haben und müssen nicht zwingend auf einen Vitamin-B12-Mangel zurückzuführen sein.

Vitamin-B12-Mangel während der Schwangerschaft, bei Säuglingen und im Kindesalter

Bei Säuglingen kann sich ein Vitamin-B12-Mangel negativ auf das Wachstum und die neurologische Entwicklung (bleibende Gehirnschäden) auswirken, wodurch es im Alter auch vermehrt zu Depressionen, Lethargie sowie zu einem Stillstand oder Rückgang von Entwicklungsfähigkeiten kommen kann 42 43 44 45 46. Folgen im Kindesalter können Hirnatrophie (Schwund von Hirnsubstanz) und psychomotorische Entwicklungsschäden sein 47.

Die Symptome können bei Kleinkindern auf Grund von begrenzten Vitamin-B12-Leberreserven in ein paar Monaten auftreten 48. Sichtbare Symptome eines Vitamin-B12-Mangels bei Säuglingen können unfreiwillige motorische Bewegungen, Dystrophie, Schwäche, Muskelatrophie, Verlust der Sehnenreflexe, psychomotorische Regression, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Lethargie, hämatologische Anomalien sowie Wachstumsstörungen und Wachstumsverzögerungen sein 49 50 51 52.

Der Vitamin-B12-Bedarf des Kindes sollte unbedingt gedeckt werden. Vitamin B12 wird mit der Muttermilch übertragen. Daher sollte auch die Mutter stets über genug B12 verfügen - auch während der Schwangerschaft. Auch hier ist es besonders wichtig einen Mangel unverzüglich zu erkennen und zu behandeln, um langfristige neurologische Probleme zu verhindern 53. Vegane und vegetarische Frauen sollten daher während der Schwangerschaft und Stillzeit Vitamin B12 aufnehmen, raten Wissenschaftler 54 55 56.

Diagnose

Veganer sollten ihren Vitamin-B12-Status regelmäßig überprüfen lassen. Einen Vitamin-B12-Mangel können Ärzte über Blutuntersuchungen feststellen. In den meisten Fällen werden die Serum-Werte untersucht.

Ein Vitamin-B12-Mangel liegt bei einem Serum-Wert von weniger als 200 pg/ml (< 150 pmol/l) vor 57. Deuten Untersuchungen darauf hin, dass ein Mangel vorliegt, aber die Werte in niedrigen bis normalen Bereich (200 bis 350 pg/ml) liegen, können andere Tests vorgenommen werden, um einen Mangel zu bestätigen 58. Die Testergebnisse der Homocystein, Holotranscobalamin II (HoloTC) oder Methylmalonsäure-Werte (MMA) ermöglichen in diesem Zusammenhang weitere Rückschlüsse über einen vorliegenden Mangel. Besonders Holo-TC (frühester Laborparameter für einen B12-Mangel; Werte sinken, wenn nicht ausreichend verfügbares B12 vorhanden ist) und MMA (funktioneller B12 Marker; Werte steigen, wenn die B12-Speicher aufgebraucht sind) Untersuchungen haben im Vergleich zur Vitamin-B12-Serum-Bestimmung eine höhere Sensitivität und Spezifität, und werden daher als moderne Biomarker angesehen 59. Nichtsdestotrotz hat Holo-TC noch eine breite Grauzone der Unsicherheit und daher sollte MMA als Bestätigungstest angewendet werden 60. Ob die Kosten der Untersuchung von der Krankenkasse übernommen werden, sollte beim Arzt erfragt werden.

Es ist auch möglich einen Urintest (Methylmalonsäure-Werte werden ermittelt) zu Hause durchzuführen. Die Urinprobe wird eingeschickt und ausgewertet. Erhöhte Methylmalonsäure-Werte sind Zeichen eines B12-Mangels. Nichtsdestotrotz ist vor allem bei neurologischen Symptomen das rechtzeitige Aufsuchen eines Arztes erforderlich, um ggf. eine Therapie einzuleiten und um irreversible Schäden evtl. noch vermeiden zu können.

Auf einen B12-Mangel weisen folgende Werte hin 61 62 63:

Konzentrationen
Vitamin-B12-Serum
Mangel < 147.56 pmol/l
(200 ng/l bzw. 200 pg/ml)
niedrig bis normale Werte 147.56 bis 258.23 pmol/l
(200 bis 350 ng/l bzw. 200 bis 350 pg/ml)
Homocystein > 15 μmol/l (Hyperhomocysteinämie)
Methylmalonylsäure > 0.27 μmol/l
Holo-Transcobalamin-II (holo-TC) < 35 pmol/l

Vitamin-B12-Werte von mehr als 350 pg/ml scheinen keine Symptome mehr nach sich zu ziehen 64.

Folsäure kann in hohen Dosen einen Vitamin-B12-Magel vertuschen und ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit haben 65.

Im Übrigen kann auch ein Cobalamin-Mangel einen Eisenmangel verstecken (maskieren) 66. Die Wissenschaftler raten daher allen Patienten mit einem diagnostizierten B12-Mangel eine Eisenmangel-Untersuchung durchzuführen.

Therapie

Bei der Behandlung eines Vitamin-B12-Mangels ist es wichtig zu wissen, was die eigentliche Ursache des Mangels ist. Erst dann kann eine entsprechende Therapie erfolgen. Ansonsten kann es mittel- bis langfristig wieder zu den ersten Symptomen kommen.

Liegt eine unzureichende Versorgung des Körpers mit Vitamin B12 vor, können die nachfolgenden Behandlungsmethoden hilfreich sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die orale (Tablette oder Kapsel; über den Verdauungstrakt) Aufnahme genauso effektiv bei der Korrektur eines B12-Mangels und der Senkung der Homocystein-Werte ist wie die sublinguale (Lutschtablette; unter der Zunge über Mundschleimhaut aufgenommen) bei einer Dosis von 500 µg Vitamin B12 67 68 69. Tägliche oral Dosierungen von 1-2 mg Vitamin B12 scheinen auch für Patienten geeignet zu sein, bei denen die Absorption im Darm bei Cobalamin-Malabsorption oder perniziöse Anämie verwehrt bleibt 70. Die bevorzugte Rezeptur zur Beseitigung eines Mangels sollte eine Kombination der aktiven Formen von Vitamin B12, Adenosylcobalamin (AdCbl) und Methylcobalamin (MeCbl) oder Hydroxo- und Cyanocobalamin sein 71. Die Wissenschaftler führen ferner aus, dass auf oralem Weg etwa je 500 bis 750 von MeCbl und AdCbl täglich erforderlich sind.

Vor allem in dringenden Fällen wie bei einer Vitamin-B12-Mangel-Anämie wird B12 auch injiziert (500 bis 1.000 μg einmal oder zweimal wöchentlich für 6 bis 8 Wochen, dann einmal pro Monat bis zum Lebensende) oder eben Vitamin B12 (500 bis 1.000 μg täglich) oral verabreicht 72 73 74. Die Absorptionsraten sind hier wesentlich höher (150 µg von 1.000 µg). Nichtsdestotrotz ist orales Vitamin B12 genauso effektiv wie die intramuskuläre Verabreichung bei der Erreichung hämatologischer und neurologischer Reaktionen 75 76.

Vitamin B12 wird in ungebundener Form (in Nahrungsergänzungsmitteln) im Allgemeinen sehr schlecht absorbiert (siehe Absorption). Von den 500 µg werden so etwa nur 2% absorbiert, was 10 µg entspricht 77. Von 1.000 µg werden lediglich etwa 13 µg (durch passive Diffusion) absorbiert. Auf diese Weise kann ein leichter-B12-Mangel schnell behoben werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Der Vitamin-B12-Bedarf ist in regelmäßigen Abständen zu decken. Vitamin B12 muss nicht jeden Tag aufgenommen werden, da es vom Körper gespeichert wird. Empfehlenswert ist eine Aufnahme jeweils innerhalb von 3 Tagen. Studien belegen, dass Nahrungsergänzungen und mit B12 angereicherte Lebensmittel den Vitamin-B12-Spiegel anheben 78. Lebensmittel, die Vitamin B12 enthalten, sind hier zu finden (Tabelle). Kann der Bedarf nicht ausreichend über eine abwechslungsreiche vegane Ernährung gedeckt werden, so sollte Vitamin B12 zwingend über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Studienergebnisse von 2015 aus der Schweiz zeigen, dass mit einer ausreichenden Nahrungsergänzung von Vitamin B12 die Empfänglichkeit eines B12 Mangels deutlich reduziert werden kann 79.

Ab 50 Jahren aufwärts wird eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin B12 empfohlen, da der Körper möglicherweise nicht mehr in Lage ist, B12 zu absorbieren 80. Außerdem wird eine Vitamin-B12-Nahrungsergänzung mit einer möglichen Prävention vor Arteriosklerose-bedingten Krankheiten bei Menschen mit einem niedrigen-B12-Status verbunden 81.