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  1. Calcium / Kalzium
  2. Calcium Tagesbedarf
  3. Calciummangel - Ursachen, Symptome, Behandlung

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Calciummangel - Ursachen, Symptome, Behandlung

Calciummangel - Ursachen, Symptome, Behandlung
Inhaltsverzeichnis
  1. Risikogruppen
  2. Ursachen für einen Calciummangel
  3. Milch als Ursache für einen Kalziummangel
  4. Kalziummangel-Symptome
  5. Folgen eines Kalziummangels
  6. Kalzium-Mangel feststellen / Diagnose
  7. Behandlung
  8. Vorbeugende Maßnahmen

Der Mineralstoff Kalzium ist für den Körper unersetzlich. Er spielt regelrecht eine tragende Rolle. Kalzium ist die Substanz, die unser Körper für starke Knochen und Zähne benötigt. Darüber hinaus ist es an zahlreichen Funktionen wie den Muskelkontraktionen entscheidend beteiligt. Kommt es im Körper zu einem Calciummangel, kann das schwerwiegende Gesundheitsschäden nach sich ziehen.

Risikogruppen

Zur Risikogruppe gehören Allesesser und Vegetarier, die auf Produkte tierischen Ursprungs zurückgreifen, insbesondere Milchprodukte. Sehr oft werden sie als die Nr.1 Quelle für Kalzium angepriesen, ohne die Folgen für die Gesundheit zu berücksichtigen (siehe Ursachen).

Veganer, die sich nicht abwechslungsreich ernähren und zu viele Lebensmittel mit Oxal- und Phytinsäure konsumieren, weisen einen geringeren Calcium-Spiegel auf 1 2 3 4 5 6 7.

Menschen, die über zu wenig Vitamin D im Körper (biologisch aktive Form: Calcitriol) verfügen. Vitamin D wird für die Calcium-Absorption aus der Nahrung benötigt. Das wichtige Vitamin kann in den Sommermonaten in unseren Breitengraden über die Haut gebildet werden. In den Wintermonaten ist dies nicht möglich, da die wichtigen UVB Strahlen durch den ungünstigen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen nicht zu uns durchdringen. Daher ist es wichtig, im Winter auf pflanzliche Lebensmittel mit Vitamin D zurückzugreifen. Ein Vitamin-D-Mangel kann aber auch auf andere Ursachen wie Darmerkrankungen zurückzuführen sein, die eine verminderte Absorption von Vitamin D nach sich ziehen.

Ältere Menschen können im Alter Kalzium schlechter aus der Nahrung absorbieren. Daher wird ihnen auch meist empfohlen, mehr Kalzium über den Tag hinweg mit der Nahrung aufzunehmen.

Schwangere und Stillende haben ebenfalls einen erhöhten Bedarf an Kalzium, der mit Hilfe der Nahrung kompensiert werden sollte.

Sportler oder Menschen, die viel schwitzen, verlieren höhere Mengen an Calcium über den Schweiß.

Ursachen für einen Calciummangel

Hypokalzämie ist meist auf gesundheitliche Probleme wie einer schlechteren Absorptionsfähigkeit im Verdauungstrakt (meist im fortgeschrittenen Alter), einen Vitamin-D-Mangel (wird zur Absorption von Calcium benötigt) und auf eine mangelhafte Kalziumversorgung über Lebensmittel zurückzuführen. Aber auch Erkrankungen des Darms oder der Nieren, sowie eine Beeinträchtigung der Bauchspeicheldrüse können Ursache sein.

Sind die Nebenschilddrüsen betroffen, kommt es zu einem Mangel an Parathormon (Hypoparathyreoidismus; kann auch genetisch bedingt sein). Das Parathormon reguliert den Calcium-Spiegel im Blut. Wird es nicht mehr ausreichend ausgeschüttet, bedingt durch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen, sinkt der Calcium-Spiegel, weil vermehrt Calcium ausgeschieden und weniger Calcium im Verdauungstrakt absorbiert wird.

Aber auch ein Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) kann zu einer Reduzierung der Calcium-Konzentrationen im Blut führen. Magnesium ist an der Regulation des Calcium-Spiegels im Blut beteiligt. So beeinträchtigt ein Magnesiummangel die Ausschüttung des Parathormons (PTH) über die Nebenschilddrüsen und die Empfänglichkeit von Osteoklasten (Knochen abbauende Riesenzellen) gegenüber Parathormon 8.

Einige Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Samen und Nüsse oder Gemüse wie Spinat und Mangold enthalten höhere Mengen an Oxal- und Phytinsäure. Diese binden sich chemisch an Calcium, wodurch Calcium nicht bzw. kaum noch absorbiert werden kann. So kann eine einseitige Ernährung ebenfalls zu einem Mangel beitragen. Allerdings lassen sich durch Kochen oder Dünsten die negativen Eigenschaften der Säuren etwas vermindern. Welche Lebensmittel über gut absorbierbares Calcium verfügen, haben wir hier zusammengefasst.

Daneben führen auch Coffein, Nikotin, Alkohol und Natrium zu einer erhöhten Kalzium-Ausscheidung. Medikamente, wie Protonenpumpenhemmer, können sich ebenfalls negativ auf die Calcium-Absorption auswirken und so einen Calciummangel bedingen 9.

Milch als Ursache für einen Kalziummangel

In vielen Fällen ist Fehlernährung die Ursache für einen Kalzium-Mangel. Interessanterweise tritt Osteoporose gehäuft in den Ländern auf, in denen die größten Mengen an Kalzium über Produkte tierischen Ursprungs konsumiert werden. Dr. T. Colin Campbell, der die China Study veröffentlichte, stellte in diesem Zusammenhang fest, dass Amerikaner im Gegensatz zu anderen Bevölkerungsgruppen sehr viel mehr Milch trinken und deswegen eigentlich starke Knochen haben müssten. Dies ist aber nicht der Fall. Amerikanische Frauen im Alter von 50 oder älter hatten laut Studie die höchsten Hüftfraktur-Raten. In Europa sowie in Australien und Neuseeland, wo der Milchkonsum noch höher ist, waren die Fraktur-Raten sogar noch größer. Das erhöhte Knochenbruchrisiko wird auch von anderen Studien belegt 10.

In Milchprodukten befinden sich hohe Mengen an sauren und schwefelhaltigen Aminosäuren, die den Körper übersäuern. Dadurch wird Calcium aus den Knochen gelöst, um das saure Milieu zu neutralisieren. Auch Fleisch enthält viele schwefelhaltige Aminosäuren, die dafür sorgen, dass Calcium über den Urin verloren geht. Sie übersäuern den Körper, wodurch Calcium aus den Knochen herausgelöst wird. Milch kann zudem zahlreiche Krankheiten wie Osteoporose und Diabetes begünstigen. Darüber hinaus erhöht Milch das Eierstock- und Prostatakrebsrisiko und die Sterblichkeit 11 12.

Kalziummangel-Symptome

Symptome, die für einen Calciummangel sprechen, sind 13 14:

  • Haarausfall
  • brüchige Nägel
  • trockene Haut
  • Appetitlosigkeit
  • neuromuskuläre Reizbarkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelzucken
  • Fingerkribbeln
  • Schlafstörungen
  • kognitive Beeinträchtigungen
  • Lethargie
  • in schwerwiegenderen Fällen Herzrasen
  • Tetanie (erhöhte neuronale Erregbarkeit)

Durch den Calciummangel kommt es oft zur Tetanie, die motorische und sensitive Störungen durch eine Übererregbarkeit der Muskeln und Nerven zur Folge hat. Kommt es zu einem tetanischen Anfall, der sich unter anderem in Unruheverhalten, Verdauungsstörungen, Durchfall, Taubheitsgefühl, Gesichtsmuskelkrampf (Chvostek-Zeichen), Pfötchenstellung der Hand (Trousseau-Zeichen), Parästhesien (Kribbeln und Brennen an Fingern, Armen, Füßen, Beinen und Gesicht) sowie Fühlstörungen äußert, kann es beispielsweise durch das Verkrampfen der Kehlkopfmuskulatur (Laryngospasmus) lebensbedrohlich werden. Ein Arzt sollte in diesem Fall sofort zur Hilfe eilen.

Desweiteren konnte ein Zusammenhang zwischen Kalziummangel und einem erhöhten Risiko, an Nierensteinen sowie Darmkrebs zu erkranken, festgestellt werden. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich ein vermindertes Bindungsvermögen sowie eine erhöhte Absorption der Oxalsäure. Oxalsäure ist der Hauptbestandteil von Nierensteinen und Karzinogenen wie Gallensäuren 15.

Folgen eines Kalziummangels

Bleibt das Calcium-Defizit über einen längeren Zeit unentdeckt, führt dies zunächst zu Osteopenie (Minderung der Knochendichte) und anschließend zu Osteoporose (Freisetzung von Calcium aus den Knochen). Damit geht eine Verminderung der Knochenfestigkeit einher, wodurch es vermehrt zu Frakturen und Rückenschmerzen kommen kann, weil die Knochen porös geworden sind. Zu beachten gilt, dass Osteoporose nicht allein auf einen Calcium-Mangel zurückzuführen ist, sondern auch noch andere Ursachen (z.B. hormonelle Veränderungen und zu wenig Bewegung) haben kann.

Im Kindesalter kann ein Calciummangel zu Rachitis führen. Rachitis hat ihren Ursprung meist in einem Mangel an Vitamin D.

Weitere Folgen eines längeren Calciummangels können eine schlechte Blutgerinnung und eine Trübung der Augenlinse (Katarakt, umgangssprachlich grauer Star genannt) sein.

Wird die Hypokalzämie nicht behandelt, kann ein Mangel an Calcium je nach Dauer, Schweregrad und Schnelligkeit lebensbedrohlich werden 16.

Kalzium-Mangel feststellen / Diagnose

Ein Calcium-Mangel wird von einem Arzt festgestellt. Dieser misst die Calcium-Konzentrationen im Serum. Ab welchen Serum-Konzentrationen ein Mangel vorliegt, kann der Tabelle entnommen werden 17 18:

ZustandSerum-Calcium-Konzentration
normal 2,12-2,60 mmol/l
Mangel (Hypokalzämie) < 2,12 mmol/l (< 8,5 mg/dl)
(korrigierte Serum-Konzentrationen)

Die Serum-Calcium-Konzentration müssen im Verhältnis zu den Serum-Albumin-Konzentrationen interpretiert werden 19. Ungefähr die Hälfte des gesamten Serum-Calciums ist an das Protein Albumin gebunden und die verbleibenden ∼50% sind freies ionisiertes Calcium, das physiologisch aktiv ist 20.

Behandlung

Wurde ein Mangel festgestellt, werden primär oft Vitamin D (u.a. Alfacalcidol und Calcitriol), Magnesium (zur Ausschüttung des Parathormons) und Kalzium-Präparate (Kalziumkarbonat und Calciumcitrat) verabreicht, die eine bessere Calcium-Absorption bewirken 21. Je nach Ursache und Schweregrad können aber auch andere Maßnahmen wie Injektionen und eine Langzeitbetreuung durch einen behandelnden Arzt notwendig machen. Denn erst wenn die Ursache bekannt ist, kann eine entsprechende Behandlung erfolgen. Ansonsten werden lediglich die Symptome des Calciummangels kurzzeitg abgemildert. 

Die hilfreichste Maßnahme bei gesunden Menschen mit einem leichten Mangel ist, den Kalziumbedarf über eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu decken. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass der Körper über genug Vitamin D und Magnesium verfügt. Das richtige Magnesium-zu-Calcium-Verhältnis liegt bei 1 zu 2 22.

Mittels Thiazid-Diuretika, Phosphatbinder sowie einer salzarmen und phosphorarmen Ernährung (phosphorarme Lebensmittel) kann die Behandlung von Hypokalzämie (sekundär) und Hypoparathyreoidismus intensiviert werden 23.

Vorbeugende Maßnahmen

Die sinnvollste Maßnahme ist, dem Körper genügend Kalzium über kalziumhaltige Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Die tägliche Deckung des Kalziumbedarfs sollte sichergestellt werden, mit pflanzlichen Lebensmitteln ist das kein Problem. Außerdem reduziert eine vegane Ernährung das Risiko einer Osteoporose.

Darüber hinaus gibt es einige Möglichkeiten, um die Calcium-Absorption positiv zu beeinflussen. So sind neben dem entscheidenden Vitamin D auch die Vitamine C, E, K sowie der Mineralstoff Magnesium an einer verbesserten Kalziumaufnahme beteiligt 24.

Studien belegen, dass höhere Mengen von Kaliumsalzen, die sich überwiegend in Früchten und Gemüse befinden, die Kalziumausscheidung über den Urin vermindert, so dass dem Körper mehr Kalzium erhalten bleibt 25.

Abgesehen von einer bewussten Ernährung ist es äußerst wichtig, die Knochen mit jeder Menge Bewegung zu stärken. Dadurch wird die Knochenmasse durch wiederkehrende Belastungen aufgebaut.