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Artikelreihe

  1. Magnesium
  2. Magnesium-Tagesbedarf
  3. Lebensmittel mit Magnesium / Magnesiumhaltige Nahrungsmittel
  4. Magnesium - Überdosierung & Überschuss

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Magnesium - Überdosierung & Überschuss

Magnesium - Überdosierung & Überschuss
Inhaltsverzeichnis
  1. Risikogruppen
  2. Ursachen
  3. Symptome
  4. Folgen
  5. Magnesium-Überdosis feststellen
  6. Behandlung
  7. Vorbeugende Maßnahmen
  8. Höchstaufnahmemengen von Magnesium-Nahrungsergänzungen

Die Nieren sind in der Lage bis zu 100 % (250 mmol am Tag) des aufgenommenen Magnesiums wieder über den Urin auszuscheiden 1 2. Eine Hypermagnesiämie mit den entsprechenden Symptomen kommt bei normaler Nierenfunktion selten vor 3. Trotzdem kann es unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Ansammlung von Magnesium im Körper kommen. Befindet sich dauerhaft zu viel Magnesium im Körper (Hypermagnesiämie), kann die Muskelfunktionen eingeschränkt werden.

In der Fachsprache wird ein Magnesium-Überschuss bzw. eine zu hohe Magnesium-Konzentrationen im Körper als Hypermagnesiämie bezeichnet.

Risikogruppen

Folgende Gruppen können von einer Magnesium-Vergiftung betroffen sein:

  • Patienten mit Nierenleiden
  • Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen
  • Dialyse-Patienten (auf Grund der Verwendung von magnesiumhaltigen Medikamenten) 4 5
  • Frühgeborene
  • ältere Menschen (wegen fehlerhafter Anwendung von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln) 6

Ursachen

In den meisten Fällen liegt die Ursache für einen Magnesium-Überschuss in einer Niereninsuffizienz 7 8. Es kommt zu einer Erhöhung von harnpflichtigen Stoffen wie auch Magnesium. So kann auch Morbus Addison (Erkrankung der Nebennierenrinde) eine Ursache sein.

Auch ohne schwere Niereninsuffizienz kann ein Überschuss auftreten. Nämlich dann wenn eine Magen-Darm-Erkrankung (wie Ulkus, Gastritis, Colitis ulcerosa, Magendrehung) vorliegt 9. Die könnte die Ursache für eine erhöhte Aufnahme von Magnesium aus der Nahrung sein. Insbesondere ältere Menschen sind davon betroffen.

Mit der dauerhaften Verwendung von magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln kann es zu einer Überdosis von Magnesium kommen. Medikamente wie Antazidum (neutralisiert Säure des Magensaftes) und Kathartikum (mittelstarkes Abführmittel), die Magnesium enthalten, sind häufig die Ursache für eine Überdosierung 10 11 12 13 14 15. Magnesiumhaltige Lebensmittel sind eher selten die Ursache für einen Überschuss.

Durch eine intravenöse Verabreichung von Magnesium kann es zu einer Überdosierung kommen.

Eine schwere Hypermagnesiämie ist auch bei Menschen aufgetreten, die Totes-Meer-Wasser getrunken haben 16. Auch das fortwährende Gurgeln mit Magnesiumsulfat (Epsom-Salz) wegen Mundgeruch (Halitosis) führte zu einem schweren Magnesium-Überschuss mit Koma-Folge 17.

Weitere Ursachen können sein 18 19 20 21:

  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Lithium-Therapie (vermindert Harnausscheidung)
  • Störung des Kalziumstoffwechsels (Milch-Alkali-Syndrom)
  • familiäre Hyperkalzämie (Störung des Calcium-Stoffwechsels)
  • schwere Verbrennungen (führen zu Verschiebungen von intrazellulärem zu extrazellulärem Magnesium-Konzentrationen)
  • bei der Behandlung von Eklampsie kann ein Überschuss ausgelöst werden
  • parenterale und enterale Ernährung
  • in seltenen Fällen: Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes)

Symptome

Symptome einer Magnesium-Überdosis und eines Überschusses können sein 22 23 24 25 26:

  • niedriger Puls
  • Blutdruckabfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • aussetzende Sehnenreflexe
  • Muskel-Müdigkeit
  • Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Juckreiz (Pruritus)
  • Hautrötung
  • Verwirrtheit
  • Schläfrigkeit / Somnolenz (Bewusstseinsstörung; schläfrig benommener Zustand)
  • Lethargie
  • Herzrhythmusstörungen
  • Atemwegsbeschwerden
  • Lähmungserscheinungen

Die Symptome werden durch einen Calciummangel verstärkt 27.

Folgen

Ein Magnesium-Überschuss und eine Magnesium-Vergiftung verursachen am häufigsten eine Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation) und neuromuskuläre Symptome 28. Letztere kommen durch eine neuromuskuläre Blockade zustande, bei der die Freisetzung von präsynaptischem Acetylcholin (Neurotransmitter; vermittelt Muskelkontraktionen) gehemmt wird 29. Das zentrale Nervensystem kann daher durch ein Zuviel an Magnesium beeinflusst werden, wodurch die Reizübertragung (u.a. Reizübertragungsgeschwindigkeit) gestört wird 30. Daraus resultierende Symptome sind Lähmungserscheinungen wie paralytischer Ileus (Darmlähmung) und Atemwegsbeschwerden 31 32.

Ein Magnesium-Überschuss kann neurologische und kardiologische Folgen nach sich ziehen. Dazu gehören bei einem schweren Magnesium-Überschuss Lethargie, Verwirrtheit, Veränderungen des Herzschlags (u.a. Verlängerung des PR-Intervalls), Herzfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute (Bradykardie), Koma, vollständiger Herzblock (Unterbrechung der Herztätigkeit) und Herzstillstand 33 34 35 36 37 38. In schwerwiegenden Fällen kann eine Magnesium-Überdosierung also bis zum Tode führen. So verstarb bspw. eine 75-jährige Frau mit der Verwendung von oral aufgenommenem Magnesiumchlorid 39.

Daneben wird eine verminderte Magnesium-Ausscheidung auch mit einem erhöhten Auftreten von ischämischer Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzens) assoziiert 40.

Eine Magnesium-Vergiftung sorgt für ein Absinken der Calcium-Konzentrationen (Hypokalzämie / Calciummangel) im Serum 41. Die verminderten Calcium-Werte kommen auf Grund einer verminderten Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen zustande 42. Zudem vermuten Wissenschaftler auch, dass erhöhte Magnesium-Werte die intrazelluläre Konzentration von Calcium verändert 43. So könnte der Knochenstoffwechsel und die Aktivität der Osteoblasten beeinträchtigt werden, wodurch es zu Knochenerkrankungen kommen kann 44 45. Osteoblasten werden für die Knochenbildung benötigt.

Magnesium-Überdosis feststellen

Durch das Messen der Magnesium-Konzentrationen im Serum lässt sich ein Überschuss gut feststellen. Zudem sollten die Herzaktivitäten beobachtet werden. Auch hier lassen sich Rückschlüsse auf eine Erkrankung ziehen. Daneben sollten ebenfalls die Calcium-Werte überprüft werden, da ein Calciummangel häufig gleichzeitig mit einem Magnesium-Überschuss auftritt.

Nachfolgende Tabelle gibt Auskunft über normale und erhöhte Magnesium-Werte:

ZustandSerum-Magnesium
normal 1,8-2,8 mg/dl (0,75-1,15 mmol/l)

0,54–0,67 mmol/l (ionisierte Mg-Konzentration)
Magnesium-Überschuss > 2,8 mg/dl (1,15 mmol/l)

ab 2,0 mmol/l (4.86 mg/dl) treten die ersten Symptome auf

Behandlung

Eine Behandlung erfolgt je nach Ursache.

Zunächst sollte die Magnesium-Aufnahme reduziert bzw. so weit wie möglich eingestellt werden. Bei Menschen mit normaler Nierenfunktion ist der Überschuss damit bereits behoben.

Daneben kann die Ausscheidung von Magnesium über harntreibende Medikamente (Diuretikum) und Furosemid (bewirkt Ausscheidung von Gewebeflüssigkeit) ggf. mit einer zusätzlichen Wasseraufnahme herbeigeführt werden 46 47. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da Diuretika auch die Calcium-Ausscheidung erhöhen 48. Das gleichzeitige Messen der Calcium-Konzentrationen und das Beobachten der Herzaktivitäten mittels EKG können während der Behandlungsphase sinnvoll sein.

Bei Patienten mit symptomatischer Hypermagnesiämie sollte neben der Reduzierung der Magnesium-Zufuhr eine intravenöse Verabreichung von Calcium mit Dosierungen in Höhe von 100 bis 200 mg über 1-2 Stunden erwogen werden 49. Das führt temporär zu einer Verbesserung der Symptome.

Um den Symptomen einer schweren Magnesium-Vergiftung schnell entgegenzuwirken, kann 1 g Calcium in Form von Calciumgluconat intravenös verabreicht werden 50 51. Anschließend sollte eine Infusion von 100-150 mg Calcium über einen Zeitraum von 5-10 Minuten erfolgen. Sinnvoll erscheint auch eine Zufuhr von Glucose und Insulin, um Magnesium in die Zellen zu befördern.

Liegt eine Nierenerkrankung oder eine massive Überdosierung vor, kann eine Blutwäsche (Dialyse) notwendig sein 52 53.

Vorbeugende Maßnahmen

Hohe Dosierungen von Magnesium-Salzen sollten bei Patienten mit Nierenversagen vermieden werden 54 55. Im Allgemeinen sollten bei Patienten mit Nierenleiden die Magnesium-Werte regelmäßig kontrolliert werden.

Höchstaufnahmemengen von Magnesium-Nahrungsergänzungen

Um einer Magnesium-Überdosierung mit Nahrungsergänzungen mit Magnesiumsalzen wie Magnesiumchlorid, Magnesiumsulfat, Magnesiumaspartat und Magnesiumlactat vorzubeugen, sollten folgende Tageshöchstmengen nicht überschritten werden 56:

Geschlecht und AltersgruppeMenge in mg
Männer
über 18 Jahre 350
Frauen
über 18 Jahre 350
Schwangere 350
Stillende 350
Kinder
0 bis 12 Monate k.A.
1 bis 3 Jahre 65
4 bis 8 Jahre 110
9 bis 19 Jahre 350